
Rohprotein – wichtiges Kriterium oder Augenwischerei?
Hat Ihnen auch schon mal jemand gesagt, wie wichtig der Rohproteinanteil im Tierfutter ist, und dass der Anteil bestimmte Werte nicht über- oder unterschreiten darf? Oder sind sie gar Züchter und beschäftigen sich darum intensiv mit dieser Thematik?
Dann wissen Sie um die Wichtigkeit der Frage, wie viel Proteine (Eiweiß) ein Futter enthält. Eiweiße (E) sind, neben Fetten (F) und Kohlenhydraten (KH), die Hauptnährstoffe, aus denen Futtermittel und Lebensmittel bestehen. Das Mengenverhältnis von E-F-KH in der Nahrung muss auf die Bedürfnisse eines Tieres abgestellt sein.
Aber wer seine Tiere gesund ernähren möchte, der denkt besser einige Schritte weiter.
Gleichwohl viel wichtiger sind Herkunft und Qualität der Rohstoffe. Allerdings kann dummerweise, das für die Rohproteinbestimmung verwendete Testverfahren über Qualität und Herkunft keinerlei Aussagen machen. Es ist in entscheidenden Faktoren blind wie ein Maulwurf. Die Ursache dafür liegt in der Messmethode.
Der Rohproteinanteil eines Futtermittels wird per Gesetz mit der Kjeldahl-Methode bestimmt. Das ist ein kostengünstiger Laborversuch, mit dem die Menge der Stickstoffatome (Kurz „N“) in der untersuchten Probe festgestellt wird. N ist praktischerweise weder in Fetten noch in Kohlenhydraten enthalten. Viel N bedeutet also theoretisch, viel Protein. Theoretisch!
Der entscheidende Nachteil der Kjeldahl-Methode ist, dass man mit ihr nicht herausfinden kann, woher die N-Atome kommen. Stickstoff aus Fleisch oder Stickstoff aus Pflanzen – egal. Nicht einmal Stickstoff aus biologischem oder aus technischem Material kann man mit ihr auseinander halten. Dabei, so meine Auffassung, ist diese Aussage schon von Wichtigkeit, wenn man Fleischfresser, wie Hund und Katze, gesund ernähren möchte.
Richtig unbehaglich wird mir aber bei folgenden Überlegungen und Nachrichten:
Auch einige Kunstharze enthalten N-Atome. Zum Beispiel das Kunstharz „Melamin“.
Melamin – Moment mal, werden Sie sagen, da war mal was. Richtig, Stichwort Peking, Olympische Spiele, Melaminskandal bei Kindernahrung.
Um den Test zu manipulieren und scheinbaren Proteinanteil von Kinderbrei zu erhöhen, hatte 2006 ein chinesischer Hersteller viele, viele N-Atome in Form von Melaminpulver beigemischt. Im Körper der Kinder hatte das Melamin tödliche Folgen. 7 Kinder starben damals an Nierenversagen.
Im Jahr 2007 mussten aber auch internationale Tierfutterhersteller viel Ware vom Markt zurückrufen, da Hunde und Katzen ebenfalls an Nierenversagen durch Melamin im Futter gestorben waren.
Hier wurde offenbar ebenfalls ohne Rücksicht auf Gesundheit und Leben, Futtermittel durch Kunstharz ersetzt um den eigenen Profit zu maximieren. Angeblich stammte die Kontaminierung aus Vorprodukten eines chinesischen Lieferanten.
Im ersten Augenblick schoss mit der Gedanke durch den Kopf: „Wurde hier aus dem Handel genommene Kindernahrung in Tierfutter verwertet?“. Aber ich habe den Gedanken sofort wieder verworfen. Das geht ja nicht, das ist ja verboten.
Hier finden Sie einen Link zu dem vollständigen Bericht “Vorhersage für Lebensmittelrisiken” von Volker Mrasek vom 13.02.2009
Bei der Beurteilung von Rohproteinangaben ist also ein gesundes Misstrauen von Vorteil. Wer seine Tiere gesund ernähren möchte, ist gut damit beraten, viel mehr Wert auf die Herkunft und Qualität der Rohstoffe zu legen, als sich alleine auf Analyseergebnisse zu verlassen. In einem frischen Stück Fleisch ist alles drin was Hund und Katze brauchen. Da braucht niemand Analysen zu machen und keiner kann was drin verstecken.
Ausführliche Infos über Prozentangaben gibt es hier
Gastartikel von: Christine Futter
Tierpflegerin und Biologisch-technische Assistentin
www.die-tierpflegerin.de
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Doris Mundinger | am 23. Juni 2011 um 10:44 Uhr
Die letzten zwei Sätze machen mich betroffen, ganz abgesehen davon, dass mich diese Aussage gerade bei der hohen Belastung durch die Haltungsbedingungen mit Fehlfütterung und Medikamentengabe bei den armen Nutztieren nicht überzeugt.
Ich möchte selbstverständlich, dass es meinen Haustieren gut geht, aber bitte nicht auf Kosten anderer, ebenso liebenswürdiger Lebewesen. Ich ernähre meine Tiere seit 20 Jahren vegetarisch/vegan; sie haben keine Allergien oder sonstige Mängel und sind bis ins hohe Alter fit. Es gibt schließlich ausreichend pflanzliche Proteine u. v. m.
Mit einer praktizierten Selbstverständlichkeit, dass ein Tier gefälligst für das andere sein Leben lassen soll, kann ich nicht umgehen – schon gar nicht sehe ich eine Notwendigkeit dafür, was die Praxis deutlich zeigt.