
Was steht auf der Packung – was ist drin?
Haben Sie auch schon mal im Supermarkt oder in der Tierhandlung vor dem Futterregal gestanden und beim genaueren Studium der Verpackungsangaben stieg ein Gefühl der Verwirrung in Ihnen auf? Ja, Sie kennen das? Ich auch.
Haben Sie versucht aus den Angaben schlau zu werden und haben Sie es dann nach kurzer Zeit aufgegeben? Entweder man kennt die Fachausdrücke nicht, oder die Schrift ist so klein, dass die Länge der eigenen Arme nicht mehr ausreicht, um sie zu entziffern.
Am Ende wählt man ein Produkt, das einerseits optisch ansprechend gestaltet ist und andererseits dem eigenen Geldbeutel entspricht.
Ich habe mich oft auch gefragt: „Was will der Hersteller damit erreichen, was will er mir sagen?“
Heute weiß ich, die Frage ist so falsch gestellt. Richtig wäre meistens: “Was will mir der Hersteller verschweigen!“
Ich bin selbstständige Tierpflegerin, spezialisiert auf Ernährungsfragen bei Hunden und Katzen, und das, was einem im Handel üblicherweise angeboten wird, beschäftigt mich täglich.
Haltern von Hunden und Katzen rate ich vor dem Kauf zu folgenden Überlegungen:
Trockenfutter
Im Zoo gibt es kein Trockenfutter für Wölfe und Tiger. Und da arbeiten echte Fütterungsspezialisten, ohne Beziehungen zur Futtermittelindustrie. Wer gesunde Hundenahrung sucht, kann bei den Futtermeistern einiges abschauen.
Wenn Sie sich für einen Hersteller entscheiden, der aus Überzeugung kein Trockenfutter anbietet, ist das sicher nicht die schlechteste Lösung.
Fleischgehalt
Wenn 4% drauf steht sind auch garantiert nur 4% drin. Wären es 4,1%, stünden auch 4,1% drauf.
Wenn 100% Fleisch drauf steht, lohnt sich genaues Nachlesen. In vielen Fällen bedeutet 100% leider z.B. 100% Geflügel im Fleischanteil von eigentlich nur 4%.
Kohlenhydrate
Angaben wie „Ohne Getreide“ vermitteln den Eindruck eines niedrigen Kohlenhydratanteiles. Häufig sind aber dann verstärkt andere Kohlenhydratquellen verarbeitet worden z.B. Süßkartoffeln.
Getreidefrei, heißt nicht automatisch kohlenhydratfrei.
Prozente
Die Prozentangaben sagen rein gar nichts über die Herkunft und Qualität der Rohstoffe. Für die Beurteilung wie gesund ein Futter ist, sind sie leider nur bedingt geeignet. Man kann daraus aber sehr gut den Anteil der enthaltenen Kohlenhydrate berechnen:
Einfach alle Prozentangaben (Proteine, Rohfaser, Rohfett….) zusammenaddieren und von 100 abziehen. Das ergibt den rechnerischen Anteil der NfE (NfE: Stickstoffreie Extraktstoffe wie Kohlenhydrate und Füllstoffe) Hunde sind Fleischfresser und brauchen zum gesunden Leben frisches Fleisch und kein Getreide. Erst recht keine Füllstoffe. 10% Kohlenhydratanteil ist die Obergrenze für Fleischfressernahrung.
Jeder Tierpfleger, der es anders macht, riskiert seinen Job.
Vitamine
Stellen Sie sich vor, beim Metzger kaufen Sie einen Braten und die nette Verkäuferin reicht ihnen mit den Worten: “Das brauchen Sie noch dazu.“ ein Tütchen Vitamine über den Tresen. Sie wären sicher irritiert. Ich wäre es jedenfalls. In frischem Fleisch sollte doch alles drin sein. Oder hat ihr Metzger schlechte Ware eingekauft? Warum muss er Vitamine mit dazu reichen?
Das nächste Mal, gehen Sie sicher zu einem anderen Metzger.
Nun überlegen Sie mal in der anderen Richtung. Alleine die Tatsache, dass die Vitamine mit Gewichtsangabe auf der Packung stehen, lässt vermuten, dass dies auf Grund der mangelnden Qualität der Rohstoffe unvermeidlich notwendig ist. Kein Hersteller von Hundefutter würde teure Vitamine zusetzen, wenn es vermeidbar wäre. Schließlich kostet das nicht unerheblich viel Geld, sein Geld.
Zusatzstoffe
Die Futtermittelverordnung erlaubt etwa 3000 legale Zusatzstoffe in Heimtiernahrung. Zum Vergleich: Legale Zusätze für menschliche Nahrung, die E-Nummern, gibt es etwa 320.
Nicht alle diese 3000 Stoffe müssen auf der Packung deklariert werden. Das z.B., was von Zulieferern in Vor- und Halbfertigprodukten verarbeitet wurde, muss der Futtermittelhersteller nicht auf die Dose oder den Beutel schreiben.
Die Futtermittelverordnung bietet da ungeahnte Möglichkeiten.
Wir als Tierhalter, haben kaum eine Möglichkeit das zu hinterfragen.
Hersteller / Produktionsort
Hier fängt das Vertrauen zum Hersteller an. Wenn Sie Ihre Tiere chemiefrei ernähren möchten, gehen Sie auf die Suche nach einem Hersteller, der selber auch produziert. Wer nett fragt, bekommt auch nette, ehrliche Antworten. Rufen Sie an, fahren Sie hin, schauen sie sich die Fabrik an. Google Earth kann zeigen ob die Produktionsstätte tatsächlich eine Fabrik ist, oder ein Bürogebäude, oder gar ein Einfamilienhaus im Grünen.
Besichtigung
Erkundigen Sie sich nach Besichtigungsmöglichkeiten. Was wird Ihnen gezeigt? Eine saubere übersichtliche Produktion mit aufgeschlossenen Mitarbeitern, die Ihre Sprache sprechen oder eine Vorzeigeabteilung weit weg von den produktionsbedingten Gerüchen, mit extra geschultem Personal?
Dürfen Sie die Anlieferung der Rohstoffe sehen? Dürfen Sie Fotos machen?
Nahrungsergänzung
Manche Hersteller bieten auch Pülverchen und Tinkturen für Fell, Darm und gegen Gelenkverschleiß an. Warum nur? Eine breit aufgestellte, abwechslungsreiche Ernährung gibt ein glänzendes Fell, einen gesunden Darm und starke Gelenke ganz ohne Chemie und ist auf die Lebenszeit Ihres Tieres gesehen billiger.
Suchen Sie sich einen Hersteller, der das nicht nötig hat.
Haltbarkeit
Das Herstellungsdatum eignet sich nur bedingt um zu beurteilen, ob haltbar machende Stoffe verarbeitet wurden. Ein gutes Kriterium ist aber der Ort wo ein Futter angeboten wird. Die Handelskette im Einzelhandel ist oft mehrere Jahre lang. Vom Hersteller über den Großhandel, den Zwischenhandel bis ins Regal können die Produkte 4-5 Jahre unterwegs sein. Um diese Zeit sicher und ohne Veränderungen zu überdauern, müssen sie also in irgendeiner Weise behandelt worden sein.
Wenn Sie so ein Futter möchten, dann kaufen sie dort.
Mein Fazit lautet: Gutes, gesundes Hundefutter zu bekommen ist nicht schwer. Entweder Sie finden den Hersteller Ihres Vertrauens oder machen das Futter selber.
Selbst meine Oma kann das. Fleisch und Innereien klein schneiden, Gemüse schnibbeln, Kartoffeln und Kräuter dazu, ab in eine Dose oder ein Einmachglas und einkochen. Servieren mit etwas frischem Fleisch und leckeren Extras – fertig. Geht doch! Schmeckt immer und entlastet den Tierarzt.
Gastartikel von Christine Futter, selbständige Zoo-Tierpflegerin in Arnsberg
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