
Whittington und seine Katze IV
“Geht, holt ihn – wir erzählen ihm davon, doch nennt ihn bitte Herrn Whittington.”
Herr Fitzwarren zeigte nun, dass er ein guter Mensch war, denn als einige der Diener sagten, ein solch großer Schatz sei zuviel für ihn, da antwortete er: “Gott verhüte, dass ich ihn auch nur um den Wert eines einzigen Pfennigs brächte.” Er schickte nach Dick, der zu dieser Zeit für die Köchin Töpfe scheuerte und ziemlich schmutzig war. Herr Fitzwarren befahl, ihm einen Sessel zurechtzustellen. Da glaubte er, sie wollten ihren Spott mit ihm treiben, und bat sie, einem armen einfachen Burschen doch nicht solche Streiche zu spielen, sondern ihn doch, bitte, wieder an seine Arbeit zurückgehen zu lassen.
“Aber wirklich, Herr Whittington”, sagte der Kaufmann, “es ist uns allen ganz ernst mit Euch, und ich freue mich von Herzen über die Nachrichten, die diese Herren für Euch gebracht haben. Der Kapitän hat nämlich Eure Katze an den König vom Barbarenland verkauft und Euch dafür größere Reichtümer zurückgebracht, als ich in der ganzen Welt besitze, und ich wünsche Euch, dass Ihr sie recht lange genießen könnt!”
Herr Fitzwarren hieß dann die Männer den großen Schatz herzuzeigen, den sie mitgebracht hatten, und sagte: “Herr Whittington hat nichts weiter zu tun, als sie an einen sicheren Ort zu bringen.”
Der arme Dick konnte sich vor Freude kaum fassen. Er bat seinen Herrn, sich so viel davon zu nehmen, als ihm gefiele, da er alles ja doch seiner Freundlichkeit verdanke. “Nein”, antwortete Herr Fitzwarren, “dies gehört alles Euch, und ich zweifle nicht daran, dass Ihr es gut anwenden werdet.” Dick bat dann seine Herrin und dann Fräulein Alice, einen Teil von seinem Vermögen anzunehmen, aber sie wollten es nicht und sagten ihm dabei auch, wie sehr sie sich über seinen Erfolg freuten. Dieser arme Kerl war aber viel zu herzensgut, um alles selbst zu behalten, und so gab er dem Kapitän ein Geschenk, dem Maat und den andern Dienern von Herrn Fitzwarren und sogar der übellaunigen alten Köchin.
Danach riet ihm Herr Fitzwarren, er solle nach einem passenden Händler schicken und sich wie ein Herr kleiden lassen, und er sagte ihm, er könne gern in seinem Haus wohnen, bis er sich selbst ein besseres beschafft habe. Als Herr Whittington sein Gesicht gewaschen hatte, sein Haar gekräuselt, seinen Hut zurechtgesetzt und einen schönen Anzug anhatte, da war er geradeso hübsch und fein wie andere junge Männer, die Herrn Fitzwarren besuchten. Und Fräulein Alice, die früher so freundlich zu ihm gewesen war und mitleidig an ihn gedacht hatte, die meinte nun, er schicke sich als Herzallerliebster für sie, und das ohne Zweifel um so mehr, als Whittington nun immer überlegte, was er tun könnte, um ihr zu Gefallen zu sein, und ihr die allerhübschesten Geschenke brachte.
Herr Fitzwarren sah bald ihre Liebe und schlug vor, sie sollten heiraten, und da stimmten sie beide eifrig zu. Bald war der Hochzeitstag festgesetzt, und sie wurden zur Kirche geleitet von dem Bürgermeister, dem Ältestenrat, den Friedensrichtern und von einer großen Zahl der reichsten Kaufleute von London, und die alle luden sie nachher zu einem großen Festmahl ein.
Die Geschichte berichtet, dass Herr Whittington und seine Gemahlin in Pracht und Herrlichkeit lebten und sehr glücklich waren. Sie hatten mehrere Kinder. Er wurde Friedensrichter von London, dann auch Bürgermeister, und durch Heinrich V. wurde er in den Adelsstand erhoben. Die in Stein gehauene Gestalt von Sir Richard Whittington mit seiner Katze in den Armen konnte man bis zum Jahr 1780 über dem Bogengang des alten Gefängnisses von Newgate sehen, das gegenüber der Newgate Straße stand.
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