
Whittington und seine Katze II
Bald darauf hatte sein Herr ein Schiff segelfertig, und weil er es für richtig hielt, dass alle seine Diener so gut wie er selbst eine Gelegenheit haben sollten, ihr Glück zu versuchen, rief er sie alle in das Empfangszimmer und fragte sie, was sie auf die Fahrt mit senden wollten. Sie hatten alle etwas, dass sie daran wagen wollten, nur der arme Dick nicht, der hatte weder Geld noch Güter und konnte darum nichts mitgeben. Aus diesem Grund kam er nicht mit den anderen in das Empfangszimmer. Aber Fräulein Alice erriet, was los war, und befahl, er solle hereingerufen werden. Dann sagte sie, sie wolle aus ihrer eigenen Börse etwas für ihn auslegen, aber ihr Vater erklärte ihr, das ginge nicht, denn es müsse etwas von ihm selbst sein. Als der arme Dick das hörte, sagte er, er habe nichts als eine Katze, die habe er vor einiger Zeit für einen Groschen von einem kleinen Mädchen gekauft. “Dann hole deine Katze, mein guter Junge”, sagte Herr Fitzwarren, “und schicke sie mit.”
Dick ging hinauf und brachte die arme Mieze herunter. Er hatte Tränen in den Augen und gab sie dem Kapitän. Denn, so sagte er, nun werde er wieder die ganze Nacht lang von den Ratten und Mäusen wach gehalten werden. Die ganze Gesellschaft lachte über Dicks sonderbaren Einsatz, und Fräulein Alice, die Mitleid mit dem Jungen hatte, gab ihm ein wenig Geld, damit er sich eine andere Katze kaufe. Diese und viele andere Freundlichkeiten, die ihm Fräulein Alice erwies, ließen die übellaunige Köchin auf den armen Dick eifersüchtig werden, und sie begann ihn grausamer als je zu behandeln, und immer trieb sie ihren Spott mit ihm, weil er seine Katze auf die Seefahrt geschickt hatte. Sie fragte ihn, ob er meine, seine Katze würde so viel Geld einbringen, dass man einen Stock kaufen könne, um ihn damit zu schlagen.
Schließlich konnte der arme Dick diese Behandlung nicht länger ertragen, und er dachte, er sollte von hier weglaufen. Er packte also seine Habseligkeiten ein und brach sehr zeitig am Morgen auf. Es war am ersten November, dem Allerheiligentag. Er ging bis Holloway, und dort setzte er sich auf einen Stein, der bis heute Whittingtons Stein heißt, und er fing an, darüber nachzudenken, welchen Weg er nun weiterhin einschlagen sollte. Während er überlegte, was er tun sollte, fingen die Glocken von Bow Church an zu läuten – sechs hatte sie nur zu jener Zeit -, und ihr Klang schien ihm zu sagen:
“Kehr um, Whittington, Bürgermeister von London.”
‘Bürgermeister von London!’ sagte er zu sich. ‘Nun, ich würde Gewiss jetzt fast alles auf mich nehmen, um Bürgermeister von London zu sein und in einer schönen Kutsche zu fahren, wenn ich ein erwachsener Mann bin. Ja, ich werde zurückgehen, und ich mache mir nichts aus dem Knuffen und Schelten der alten Köchin, wenn ich einmal Bürgermeister von London sein soll.’ Dick ging zurück, und glücklicherweise gelangte er ins Haus und machte sich an die Arbeit, ehe die alte Köchin herunterkam.
Das Schiff mit der Katze an Bord war lange Zeit auf See. Und zuletzt wurde es von den Winden an einer Stelle des Barbarenlandes an die Küste getrieben, wo es nur das Volk der Mohren gab, das die Engländer vorher nicht gekannt hatten. Da kamen die Leute in großer Zahl, um die Seeleute zu sehen, die eine andere Farbe hatten als sie selbst, und sie behandelten sie sehr höflich. Und als sie besser miteinander bekannt wurden, waren sie sehr begierig, die schönen Sachen zu kaufen, mit denen das Schiff beladen war.
Als der Kapitän das sah, sandte er Muster der besten Sachen zu dem König des Landes. Die gefielen ihm so gut, dass er den Kapitän in den Palast holen ließ. Dort setzten sie sich nach dem Brauch des Landes auf kostbaren Teppichen nieder, die mit goldenen und silbernen Blumen bestickt waren. Der König und die Königin saßen, am oberen Ende des Saales. Zum Mahl wurde eine Anzahl von Gerichten hereingebracht. Sie hatten sich noch nicht lange niedergesetzt, da stürzte eine große Menge von Ratten und Mäusen herein und machte sich fast über jedes Gericht her.
Darüber wunderte sich der Kapitän und fragte, … (Fortsetzung folgt)
Kommentar schreiben

Diese Artikel könnten Sie auch interesssieren
Eine zweite Chance für Samtpfoten
Jedes Jahr suchen bei uns Tausende von Katzen ein neues Zuhause über den Tierschutz. Dennoch scheuen sich viele Katzenliebhaber davor, eine Katze aus dem Tierschutz aufzunehmen....
Schogul, Rächer der Tiere
Wenn ich mit diesem Roman auch nur einer Tierseele helfen kann, hat sich die Arbeit an dem Buch für mich schon tausendmal gelohnt!...
Gedicht für Katzen
von Friedrich Christian Delius; Dämmerung ist die Stunde der Katzen, sie atmen den Tag aus schleichen schwarz übern weg, spielen Eisenbahn mit ihren Augen,...
Das kleine Kätzchen und der Weihnachtsmann
Ein kleines Kätzchen lag eingerollt auf einer Stufe eines alten Hauses. Sein kleiner Bauch hob sich langsam auf und ab. Es war ein Tag vor Weihnachten....












